Bund der Deutschen Minderheit Danzig / Związek Mniejszości Niemieckiej Gdańsk
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dass der Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit am 26. Mai 1686 in der Danziger Hundegasse geboren wurde? Die nach ihm benannte Temperatureinheit Fahrenheit ist noch heute in den USA gebräuchlich.

 
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Im Jahr 2011 nutzte der Bund der Deutschen Minderheit in Danzig Zuwendungen des Ministeriums für Inneres und Verwaltung in Warschau zur Co-Finanzierung folgender Projekte:

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Danziger Nachrichten Nr. 3
Danziger Nachrichten
Augabe Nr. 1/2011

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Die Situation in der Nachkriegszeit

Gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es noch in der neu entstandenen Woiwodschaft Gdańsk, deren Gebiet sich ungefähr mit dem Gebiet der heutigen  Woiwodschaft Pomorskie deckte, ca. 500 000 Deutsche, die ausgesiedelt werden sollten. Ihre Aussiedlung war für die polnische Regierung ein notwendiger Schritt zur Polonisierung der übernommenen deutschen Gebieten, die ca. 60% dieser Woiwodschaft bildeten. Zu dieser Zahl muss man auch einige hunderttausende Einwohner zählen, die 1941-1943 durch Unterzeichnung der Deutscher Volksliste (DVL - Volksliste der Gruppe I, II, III,IV) die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatten. Man schätzt, dass ca.80% (über 90% nach einigen Quellenangaben) der alteingesessenen Bevölkerung des Gebietes, das Polen bis 1939 gehörte (der sog. Polnische Korridor), in den Jahren 1941-1943 die Deutsche Volksliste (v.a. Volksliste III) unterzeichneten. Dort lebten vor allem Kaschuben und Kotzewiener, die bis zum 1. September 1939 nur die polnische Staatsangehörigkeit besaßen. Diejenigen, die in den Listen standen, wurden je nach Gruppe überprüft und behandelt. Anzumerken ist, dass auch die polnischen Einwohner der Freistadt Danzig und anderer Teile der Woiwodschaft überprüft wurden, da auch sie politisch unsicher waren. Jeder aus der I. Gruppe der Volksliste sollte rücksichtslos ausgesiedelt werden. Jeder aus der Gruppe II. der Volksliste unterlag einem Rehabilitierungsverfahren und hatte nach einer positiven Überprüfung das Recht, gegen die Aussiedlung Widerspruch einzulegen. Jeder aus der Gruppe III. und IV der Volksliste musste vor einer bestimmten Verwaltungsinstanz eine Treueerklärung gegenüber dem polnischen Volk und Staat abgeben. Erst danach wurde er nicht ausgesiedelt. Denjenigen , erfolgreich gegen ihre Aussiedlung Beschwerde einlegten, wurde eine Namensänderung angeordnet (meistens auf Befehl der Bürgermiliz-Kreisdirektion oder des Gemeindeleiters). Deutsche oder deutsch klingende Namen wurden gezwungenermaßen dem Polnischen angepasst. So wurde aus der deutsche Hans Witt zum polnischen Jan Witkowski und Werner Schimke zu Władysław Szymański.

In den Jahren 1945-1949 wurden über 2,2 Millionen Deutsche ausgesiedelt (einige Quellen geben 3,2 Millionen an – Prof. Andrzej Sakson), darunter ca. 494 000 aus der Woiwodschaft Gdańsk (184 000 Menschen sind freiwillig, 310 000 dagegen zwangsweise ausgereist). Nach einer tiefgründigen Überprüfung und dem Berufungsverfahren durften ca. 6000 Deutschen bleiben, die ursprünglich ausgesiedelt werden sollten. Zu dieser Gruppe gehörten Arbeitskräfte, die für die polnische Seewirtschaft notwendig waren, aber auch jene, die inzwischen mit polnischen Bürgern verheiratet waren (v.a. deutsche Frauen).

Der Hauptziel der polnischen Regierung war, möglichst schnell die Spuren der Deutschen in einem großen Teil der Woiwodschaft und der Stadt Danzig, wo die deutsche Geschichte besonders sichtbar war, zu verwischen. Darunter verstand man natürlich die schnelle Aussiedlung der deutschen Bevölkerung. Da es aber sehr viele Menschen gab, war es unmöglich, das in kurzer Zeit zu bewerkstelligen.

Die Aussiedlungen fanden planmäßig statt und wurden - außer im Winter - mit der Eisenbahn durchgeführt. Jeder Aussiedler durfte  Handgepäck von 30 kg mitnehmen. Die Kampagne wurde nacheinander in den Stadtteilen, Landkreisen und Gemeinden durchgeführt. Meistens erschienen kurz vor der geplanten Aktion entsprechende Straßenanschläge in deutscher Sprache. Die Bevölkerung aus den Aussiedlungsgebieten musste sich auf den angegebenen Bahnstation zu einem festgelegten Termin einfinden, von wo die Transporte abfuhren. Wenn man sich diesen Anordnungen widersetzte, wurde man streng bestraft. Zu diesem Zweck wurden von den Kreisrepatriierungsämtern  spezielle Abschiebelager errichtet, z.B. das Lager NARWIK in Danzig. Neben der Aussiedlung in das von den Alliierten besetzte Deutschland durch die polnische Regierung, wurde die deutsche Bevölkerung auch von der sowjetischen Armee in den Fernen Osten in der Sowjetunion verschleppt. Dazu dienten ihnen die beiden Lager NARWIK I und NARWIK II. Beide wurden von der Roten Armee schon im März 1947 eingerichtet. Die Zwangsaussiedlung der deutschen Bevölkerung in die Woiwodschaft Gdańsk  bereits im Frühsommer 1945 und endete erst im Herbst 1947.

Gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Anwendung der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit verboten. Auch durfte in deutscher Sprache weder gelehrt noch Messe abgehalten werden. Damit die Verbote erfolgreich realisiert werden konnten, wurden zuerst Lehrer und Priester ausgesiedelt. Die Pflege deutscher Gräber galt als passiver Widerstand gegen die Polonisierung und wurde als antipolnische Aktion eingestuft. Diejenigen, die ihre deutsche Herkunft gestanden, verloren ihre Rechte sowie ihr ganzes Vermögen und wurden ausgesiedelt. Ihre Heimat verlassen mussten auch die Angehörigen der antifaschistischen Bewegungen ebenso wie die Mitglieder der Kommunistischer Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Diese Gruppen wurden aber unter Bedingungen verschleppt, die etwas humanitärer waren. Sie reisten in Personenwagen und nicht in Güterwaggons, ohne Gedränge aus. Auch wurden ihnen Lebensrationen und Wasser für die Fahrt zugeteilt. So fuhr z.B. am 30. November 1945 ein Transport aus Stolp in die Sowjetische Besatzungszone mit 121 Mitgliedern und Aktivisten der KPD und SPD.

Die deutsche Bevölkerung unterlag strenger Kontrolle. Es war ihr verboten, sich frei außerhalb des Wohnorts zu bewegen und ihren Wohnsitz zu wechseln. Auch wurden sie verpflichtet, beim Enttrümmern der Stadt zu helfen oder in den Staatlichen Landimmobiliengenossenschaften zu arbeiten, den Vorläufern der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG]), die in den an Polen angeschlossenen deutschen Gebieten entstanden. Außerdem hatten die Deutschen die Pflicht, sich in den Abteilungen für Arbeitsvermittlung registrieren zu lassen. Die arbeitenden Deutschen erhielten eine spezielle Bescheinigung, die sie bei jeder Kontrolle vorzeigen mussten. Wer von ihnen solch eine Bescheinigung nicht besaß oder nicht arbeitete, wurde bestraft. Um die Kontrolle ihrer Beschäftigung zu erleichtern, wurde die Arbeitsbescheinigung in der Regel nur für einen Monat ausgestellt. Deutsche Landwirtschaftbesitzer mussten den polnischen Siedlern im Moment ihrer Ankunft sofort das Landgut übergeben. Die Deutschen mussten aber nicht gleich ihre Landwirtschaft verlassen, sie durften bis zur Aussiedlung als Arbeitskraft bleiben, wenn der neue Besitzer das so wollte.

Von Anfang an verpflichtete die polnische Regierung in der Nachkriegszeit die in Polen gebliebenen Deutschen zur Zwangsarbeit. Dazu errichtete man berüchtigte Arbeitslager wie z. B Lamsdorf in Schlesien (Łabinowice), Krutschwitz (Kruszwica),  Heidersdorf (Łagiewniki) oder Lebrechtsdort bei Bromberg (Potulice k. Bydgoszczy).

Seit dem 26. April 1945 wurden die Danziger Deutschen zwangsweise zur Enttrümmerung der Stadt eingeteilt. Jeder im Alter von 15 bis 65 musste sich täglich um sieben Uhr in seiner Bezirksbürgermilizdirektion mit eigener Ausrüstung (Spitzhacke, Schaufel, Karre) melden (zu dieser Zeit gab es in Danzig sieben Bezirksmilizdirektionen).

Diejenigen, die sich der Anordnung widersetzten, wurden nach dem Kriegsrecht bestraft. Man beachte, dass im Polnischen noch immer die deutschen Straßen- und Stadtteilenamen verwendet werden. Der Lohn betrug 20 Zloty für gelernte Arbeiter und 10 Zloty für Hilfsarbeiter, davon wurden aber 50 Prozent für den Stadtaufbau abgerechnet. Arbeitende Deutsche bekamen auch Lebensmittelkarten. Ein Erwachsener durfte im Monat 10 kg Kartoffeln, 7 kg Brot, 1 kg Grütze, 0,8 kg Fleisch, 0,4 kg Fett, 0,3 kg Zucker und eine Streichholzschachtel in dafür vorgesehenen Verpflegungspunkten kaufen. Ein arbeitendes Kind bis zum 12. Lebensjahr durfte 5 kg Kartoffeln, 3 kg Brot, 0,3 kg Fett und 0,3 kg Grütze; und eine wegen Alters oder schlechter Gesundheit arbeitsunfähige Person 7 kg Kartoffeln, 4,5 kg Brot und 0,5 kg Grütze kaufen (man brauchte dafür eine ärztliche Bescheinigung).

Die nicht arbeitenden Menschen ohne eine solche Bescheinigung bekamen keine Lebensmittelkarten. Der Erwerb von Lebensmitteln ohne Lebensmittelkarten wurde als Plünderung geahndet.

Die Lebensmittelkarten im Geschäft einzulösen, war eine ganz andere Sache. Der Verpflegungssondersystem, dessen Punkte mit der Aufschrift „Für Deutsche“ bezeichnet wurden, war nicht ausreichend. Aus vielen Orten der Woiwodschaft Gdańsk wurde von einer sich ausbreite3nden Hungersnot berichtet; auch davon, dass man auf dem Land aus Unkräutern Essen zubereiten und statt Salz Kunstdünger benutzen musste. Bettelei war eine allgegenwärtig und Hungersnot gab es v.a. in den Regionen mit einer hohen Bevölkerungsdichte, d.h. vor allem in Danzig oder den Landkreisen Stolp und Schlawe . Trotz der offiziellen Verpflegung konnten sich die Deutschen nur auf ihre eigene Kräfte und ihren Unternehmergeist verlassen. In dieser Situation war ihr Gesundheitszustand katastrophal, Infektions- und Geschlechtskrankheiten breiteten sich aus. Letztere waren Folge der Massenvergewaltigungen deutscher Frauen von Soldaten der Roten Armee (50% bis 70% dieser Frauen erkrankten an Syphilis und Tripper).

Da es zu Beginn noch wenig Polen gab, wurden Deutsche auch in den Ämtern der Staats- und Selbstverwaltung als Hilfskräfte eingesetzt, z.B. als Putzhilfe, Kantinenbedienung, Fahrer, Bote, Gerichtsdiener oder Kanzleigehilfe. Im Mai 1945 jedoch verbot der Leiter der Woiwodschaft in Ämtern und öffentlichen Institutionen Deutschen einzustellen. Die dort arbeitenden Deutschen mussten sofort entlassen werden.

Die Danziger Strafanstalt in der ul. Kurkowska platzte aus allen Nähten vor verhafteten Deutschen, darunter auch Frauen und Kinder. Es wurden dort bisweilen bis 2000 Häftlinge festgehalten. Man konnte für alles mögliche festgenommen werden, z.B. für ein Gespräch auf der Straße in deutscher Sprache, für das Bewegen ohne Bewilligung oder auch wenn man die Polizeistunde nicht befolgte. Im Sommer 1945 brach in der überfüllten Strafanstalt eine Typhusepidemie aus (in Doppelzellen wurden jeweils zehn Häftlinge unter widrigsten hygienischen Bedingungen festgehalten, die gezwungen wurden 14 Stunden täglich zu arbeiten und die unter Hunger litten). 1945 starben 998 von 1116 Kranken, im nächsten Jahr noch 126 (siehe Die Geheimnisse des Danziger Gefängnisses). Im Jahre 1945 starben in allen polnischen Gefängnissen über 3000 Deutsche an Typhus, den Rekord hielt hier die Danziger Strafanstalt. Andere Gefängnisse, die auch um die tausend Opfer forderten, waren die Schwinentochlowitzer Strafanstalt und das Warschauer Gefängnis in Mokotów. Am 23. Juli 1946 wurde im Landkreis Lauenburg die Kennzeichnung der deutschen Bevölkerung eingeführt. Die Menschen mussten ein weißes Armband mit dem Amtsstempel des Bevollmächtigen der polnischen Regierung im Landkreis Lauenburg und mit dem Stempel ihres Arbeitsbetriebs auf dem linkem Arm tragen. Gegen Ende des Jahres 1946 versuchte der Stolper Stadtpräsident Armbänder mit Buchstabe N (für „niemiec“ - Deutscher) einzuführen. Seine Initiative wurde jedoch vom Ministerium für die Wiedergewonnenen Gebiete (polnische Bezeichnung für die Ostgebiete des Deutschen Reiches) und dem Bevollmächtigten der Stadt Danzig nicht bewilligt, da solche Maßnahmen zu dieser Zeit nicht mehr als notwendig betrachtet wurden. Die Kennzeichnung der Deutschen wurde nicht nur in der Woiwodschaft Gdańsk angewendet, sondern war in anderen Regionen Polens ähnlich geregelt.

Im Sommer 1945 brach die Typhusseuche unter der deutscher Bevölkerung nicht nur in der Danziger Strafanstalt aus, sondern auch in anderen Städten der ganzen Woiwodschaft und auf dem Lande. Der Hauptgrund dafür waren Unterernährung und katastrophale hygienische Bedingungen. Durch Typhus verloren einige tausende Deutsche ihr Leben. So starben in der Zeit vom 12. April bis 28 Dezember 1945 allein in Stolp 2068 Deutsche. Die Situation in anderen Teilen der Woiwodschaft und in Danzig sah ähnlich aus.

Die Deutschen fielen den Raub-, Körperverletzungs-, Vergewaltigungs- und Mordakten zum Opfer, die durch die Soldaten der Roten Armee und der Polnischen Volksstreitkräfte, durch Beamte des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit und durch die Bürgermiliz wie auch durch die polnische Bevölkerung begangen wurden. Im Allgemeinen ging das alles für die Täter straflos aus; es gab aber auch Ausnahmen: zum Beispiel wurde der Milizionär Michał Jankowski aus Stolp für den Raubmord an Berta Steinbock in Stolp von einem Berufungsgericht in Danzig zum Todes verurteilt.

Während der Volkszählung 1946 gaben 3,3 Millionen Menschen als Volksangehörigkeit deutsch an (die Zahl bezieht sich auf das ganze Polen). Trotz der formellen Einstellung der Aussiedlungen im Jahre 1949, blieben in ganz Polen nur 160 000 – 200 000 ethnische Deutsche. Am 20. Juli 1950 wurden die früheren Restriktionen aufgehoben und man begann sie schrittweise als nationale Minderheit mit einem besonderen Status zu betrachten. Bis 1951 hatte sie aber keine offiziellen Identitätsnachweise. Nach einigen Jahren des Aufenthalts in Polen bemühten sich viele von ihnen nach Deutschland auszureisen - in die inzwischen entstandene BRD oder in die DDR. Zu diesem Zeitpunkt aber wurden ihre Anträge meistens leider abgewiesen und nur sehr selten einer Ausreise zugestimmt.